Es ist immer spannend, wer sonst noch so auf der
Wanderschaft ist! Heute Morgen komme ich mit einem Wanderpaar – bestehend aus
Mutter und etwa 20 jähriger Tochter – ins Gespräch. Die Beiden erwandern den
ganzen Eifelsteig – von Aachen nach Trier in 15 Tagen. Eine Etappe sind sie
bislang wegen Gewittervoraussage gefahren, heute wollen sie trotz noch nasser
Schuhe nach Daun.
Mir bleibt heute noch ein Zwischentag bis ich ab Morgen
täglich in 6 Etappen weiter wandere: über Daun nach Manderscheid, zum Kloster
Himmerod, dann nach Bruch, nach Kordel, nach Trier.
Warum habe ich überhaupt ein paar Tage in Gerolstein
eingelegt? Ich wollte mir die Gegend etwas intensiver erschließen, eben auch
mit Museum, Rundwanderungen vor Ort und Versuch einen engeren Kontakt zu Ort
und Menschen aufzubauen.
Aus Gesprächen mit der Taxiunternehmerin, meiner
aufgeschlossenen Hotelwirtin und der Museumsangestellten weiß ich inzwischen:
Gerolstein wurde im Krieg zu 70% zerstört – daher das etwas
diffuse Stadtbild. Grund für die Bombardierungen war die nahe Eisenbahnlinie,
die als zentrale Versorgungsader getroffen werden sollte. In der
Buchenlochhöhle haben um Weihnachten 1944 sogar Menschen Zuflucht vor Angriffen
gefunden, während die Schutzsuchenden im Luftschutzkeller nicht überlebt haben.
Im engeren Stadtkern Gerolsteins wohnen etwa 5000 Menschen.
In den letzten Jahren ist die Bevölkerungszahl um 10% gesunken, auch das ist
eine Herausforderung für die Stadtentwicklung und mit eine Erklärung für
Leerstände im Innenstadtbereich. Seit einiger Zeit hat ein Unternehmer mehrere
Häuser und Geschäfte aufgekauft, saniert und vermietet weiter. Daher z. B. die
schöner hergerichteten Immobilien in der oberen Marktstraße. In Randlage gibt
es das übliche Discounterzentrum, in der Innenstadt noch ein kleines
Lebensmittelgeschäft – inzwischen in zweiter Generation geführt. Hier versucht
man mit Eifelprodukten und einem Lieferservice für ältere Mitbürger Flagge zu
zeigen.
Mit Eifelprodukten gegen den Trend ...
Die Grenzöffnung zu Belgien und den Niederlanden hat der
Region gut getan – die Taxiunternehmerin äußert sich zufrieden. Viele
Niederländer haben Wohneigentum erworben, da die Steuern hier niedriger sind.
Doch seit kurzem muss man in Deutschland etwa 15000 Euro Jahreseinkommen haben,
um in den Genuss der Steuerzahlung bei uns zu kommen. Inzwischen sollen schon einige Niederländer ihre Häuser wieder aufgegeben
haben.
Ich finde es immer erstaunlich, in welch relativ kurzer Zeit
ein Ort gesellschaftliche Veränderungen erfährt. So erzählt mir meine
Gastgeberin, dass ihr Hotel früher ein Bauernhof war und sie es in ihrer Jugend
noch erlebt hat, dass Kühe hinausgetrieben wurden. Ihre Mutter fing dann mit
Vermietungen an und sorgte dafür, dass ein Discounter im früheren Kuhstall
untergebracht wurde. Inzwischen ist dieser schon längst wieder an den Ortsrand
gezogen. Hier gab es zu wenige Parkplätze – auch dieses ein Spiegel des
Lebenswandels im Kleinen. Eine
Antoniusfigur aus dem 17. Jahrhundert an einer Hotelseite erinnert noch an die Vergangenheit.
Mein Hotel in Gerolstein war einmal ein Bauernhof ...
Heute will ich nur noch meine Sachen sortieren, ein bisschen
auf dem Kyllradweg spazieren und den Lavastrom von Sarresdorf aufsuchen.
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