Dienstag, 22. Juli 2014

Gerolstein - Stadtentwicklung und Abschied


Es ist immer spannend, wer sonst noch so auf der Wanderschaft ist! Heute Morgen komme ich mit einem Wanderpaar – bestehend aus Mutter und etwa 20 jähriger Tochter – ins Gespräch. Die Beiden erwandern den ganzen Eifelsteig – von Aachen nach Trier in 15 Tagen. Eine Etappe sind sie bislang wegen Gewittervoraussage gefahren, heute wollen sie trotz noch nasser Schuhe nach Daun.
Mir bleibt heute noch ein Zwischentag bis ich ab Morgen täglich in 6 Etappen weiter wandere: über Daun nach Manderscheid, zum Kloster Himmerod, dann nach Bruch, nach Kordel, nach Trier.



Warum habe ich überhaupt ein paar Tage in Gerolstein eingelegt? Ich wollte mir die Gegend etwas intensiver erschließen, eben auch mit Museum, Rundwanderungen vor Ort und Versuch einen engeren Kontakt zu Ort und Menschen aufzubauen.
Aus Gesprächen mit der Taxiunternehmerin, meiner aufgeschlossenen Hotelwirtin und der Museumsangestellten weiß ich inzwischen:

Gerolstein wurde im Krieg zu 70% zerstört – daher das etwas diffuse Stadtbild. Grund für die Bombardierungen war die nahe Eisenbahnlinie, die als zentrale Versorgungsader getroffen werden sollte. In der Buchenlochhöhle haben um Weihnachten 1944 sogar Menschen Zuflucht vor Angriffen gefunden, während die Schutzsuchenden im Luftschutzkeller nicht überlebt haben.
Im engeren Stadtkern Gerolsteins wohnen etwa 5000 Menschen. In den letzten Jahren ist die Bevölkerungszahl um 10% gesunken, auch das ist eine Herausforderung für die Stadtentwicklung und mit eine Erklärung für Leerstände im Innenstadtbereich. Seit einiger Zeit hat ein Unternehmer mehrere Häuser und Geschäfte aufgekauft, saniert und vermietet weiter. Daher z. B. die schöner hergerichteten Immobilien in der oberen Marktstraße. In Randlage gibt es das übliche Discounterzentrum, in der Innenstadt noch ein kleines Lebensmittelgeschäft – inzwischen in zweiter Generation geführt. Hier versucht man mit Eifelprodukten und einem Lieferservice für ältere Mitbürger Flagge zu zeigen.

Mit Eifelprodukten gegen den Trend ...

Die Grenzöffnung zu Belgien und den Niederlanden hat der Region gut getan – die Taxiunternehmerin äußert sich zufrieden. Viele Niederländer haben Wohneigentum erworben, da die Steuern hier niedriger sind. Doch seit kurzem muss man in Deutschland etwa 15000 Euro Jahreseinkommen haben, um in den Genuss der Steuerzahlung bei uns zu kommen. Inzwischen sollen schon  einige Niederländer ihre Häuser wieder aufgegeben haben.
Ich finde es immer erstaunlich, in welch relativ kurzer Zeit ein Ort gesellschaftliche Veränderungen erfährt. So erzählt mir meine Gastgeberin, dass ihr Hotel früher ein Bauernhof war und sie es in ihrer Jugend noch erlebt hat, dass Kühe hinausgetrieben wurden. Ihre Mutter fing dann mit Vermietungen an und sorgte dafür, dass ein Discounter im früheren Kuhstall untergebracht wurde. Inzwischen ist dieser schon längst wieder an den Ortsrand gezogen. Hier gab es zu wenige Parkplätze – auch dieses ein Spiegel des Lebenswandels im Kleinen.  Eine Antoniusfigur aus dem 17. Jahrhundert an einer Hotelseite  erinnert noch an die Vergangenheit.


Mein Hotel in Gerolstein war einmal ein Bauernhof ...

Heute will ich nur noch meine Sachen sortieren, ein bisschen auf dem Kyllradweg spazieren und den Lavastrom von Sarresdorf aufsuchen.




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