Am Morgen komme ich mit meiner Pensionswirtin ins Gespräch.
Sie erzählt mir, dass ihre Pension früher – 1959 - eine Scheune war. Der Vater ihres Mannes war
noch Landwirt und Waldarbeiter. In Daun – Neunkirchen gibt es kaum Leerstand.
Die alten Häuser an der Hauptstraße wurden von Neuzugezogenen - z. B. aus dem Raum Düsseldorf - renoviert, saniert und sind inzwischen schon wieder an
neue Besitzer verkauft. Aber günstig
müsse der Preis trotzdem immer sein – sonst wird es schwierig. Als ich später
den Ort verlasse und die vielen alten Scheunen- und Stalltüren als Überbleibsel bäuerlicher
Vergangenheit sehe, muss ich an ihre Worte denken.
Ich habe zunächst Schwierigkeiten, den Einstieg in den
Eifelsteig zu finden und kreise zweimal durch Neunkirchen. Das passt mir gar
nicht, denn die Etappe ist diesmal lang – etwa 27km.
Zunächst muss ich nach Daun (4,9 km), um dann die Tour nach
Manderscheid so richtig zu beginnen. Highlight des Tages sind die drei Dauner
Maare – alle so vor 10500 Jahren als Folge einer vulkanischen Gasexplosion
entstanden.
Das Weinfelder Maar
Das Schalkenmehrer Maar
Das letzte der Maare – das Schalkenmehrener Maar –
überrascht mit einem netten kleinen Wanderort mit breitem Angebot an
Gastronomie und Wohlfühlquartieren. Als ich begeistert ein altes Fachwerkhaus
fotografiere, ist der Eigentümer gerade mit Blumengießen beschäftigt und
erzählt: Dies ist das älteste Haus Schalkenmehrens – von etwa 1560. Er stammt
nicht vor hier, kam aber früher schon zu Besuch und kaufte es, als es in
heruntergekommenem Zustand war, z. B. hat der Vorbesitzer Aluminiumfensterrahmen
eingebaut.
Das älteste Haus Schalkenmehrens - liebevoll restauriert
Das Haus sollte eigentlich sogar abgerissen werden – damit die Busse
besser wenden können. Die alten Besitzer kauften sich ein Haus im Neubauviertel.
Inzwischen ist Schalkenmehren stolz auf dieses historische Gebäude und jeder
fotografiert es.
Als ich Schalkenmehren verlasse, beginnen langsam dunkle
Wollen aufzuziehen. begleiten mich in
den nächsten Stunden, sorgen für ausdrucksstarke Himmelsbilder und schließlich
für den ersten, kleinen Regenguß.
Ein Gewitter kündigt sich an ...
Dabei bleibt es nicht – immer wieder macht
sich Donnergrollen bemerkbar – die letzten 9 km bis Manderscheid ziehen sich
hin, zumal der Weg immer wieder neue Auf und Abs bietet.
Inzwischen geht der Weg wieder durch Wälder und durch das Tal der Lieser. Hier gibt es oftmals nur einen Pfad, der sich eng an die Felsen schmiegt.
Ein für die Strecke typischer Waldabschnitt
Im Liesertal
Lange Zeit ist von
einer Ansiedlung gar nichts bemerkbar – plötzlich sehe ich das erste Haus. Und
tatsächlich, es ist meine Hotelunterkunft für diese Nacht! Glücklich beziehe
ich mein Zimmer, dusche und lege die Beine noch! Am Abend kann ich im Hotel
essen. Viel Auswahl gibt es nicht, aber mich macht jetzt jedes Essen zufrieden.
Die Hotelbesitzerinnen sind zwei Niederländerinnen, die sich vor neun Jahren
entschieden haben, dieses alte Gebäude zu übernehmen, der Aussicht auf den nahen Burgberg wegen. Die Inneneinrichtung
ist etwas ältlich, aber das wird überstrahlt durch den Charme der beiden
Inhaberinnen. Es kommen anscheinend auch viele Gäste aus Manderscheid hier
herauf zum Essen. Alternativen scheint es nicht viele zu geben.
... Allmählich
werde ich müde, der Wandertag war doch recht lang …
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