Nach den Wetterinfos auf dem Smartphone sind für heute 80 %
Regenwahrscheinlichkeit angesagt. Am Morgen im Hotel schwärmt noch ein
Eifelsteig Wanderer, der nach Daun will, von seinen Goretex Schuhen. Hab ich
auch, aber meine Erfahrungen sind da doch durchmischt. Doch seine Zuversicht
macht mich entschlossen, gleich meine Ausrüstung einem Test zu unterziehen und so starte ich kurze Zeit später auf dem
Themenweg „Gerolsteiner Keltenpfad“.
Es sind etwa 18 Grad, als ich zur „Löwenburg“ hochsteige.
Als ich durch die Ruinen der Burg aus dem 12. Jahrhundert wandele, beginnt ein
sanfter, noch kaum merklicher Regen.
Auf der Löwenburg
Der leichte Regen stellt erst mal noch kein Problem dar, die
Bäume halten zusätzlich noch einiges ab, und ich entscheide mich gegen das
Anziehen meiner Regenjacke.
Die Regenwolken werden dichter ...
Mein nächstes Ziel ist der „Heiligenstein“, wiederum Dolomitfelsen, an denen gut die Verkarstung
(Einschnitte in den Felsen durch Zerbröselung) zu erkennen sind.
Am Heiligenstein
Auf dem Weg zur Dietzenley – mit 618 m die höchste Erhebung
im Gerolsteiner Land – begegnen mir drei fröhliche Niederländer, die heute auf
dem Eifelsteig nach Daun wollen. Ich sehe zweifelnd die kurzen Hosen der gut
gelaunten Gruppe und ihre winzigen Rucksäcke an – nach Regenausrüstung sehen
die nicht aus. Dabei haben sie mindestens noch 6 Stunden Weg vor sich! Wie
andere Wanderer die Wetterthematik handhaben, ist immer wieder spannend. Wir
tauschen Handschläge („Give me five“, meint einer der Herren) und ziehen in
entgegengesetzte Richtungen weiter.
Vom Aussichtsturm der Dietzenley kann man bei diesem
regenfeuchten Wetter nichts sehen, aber er taugt für eine kleine Rast als
Unterstand. Die Kelten hatten hier vor 2500 Jahren eine Burg, daher der Name
des Themenweges. Als ich mich wieder auf den Weg mache – die Regenjacke habe
ich längst an – treffe ich ein anderes, leicht bekleidetes Wanderpaar.
Frische Farben im "Regenwald"
Es ist wohl das Beispiel dieser sorglosen Reisenden, dass
ich meine Regenhose nicht rechtzeitig anziehe. Als der Regen nun mit Vehemenz
einsetzt, ist es zu spät: Die Hosenbeine sind eh schon nass. Ich versuche mich
unter Bäumen ein wenig in Deckung zu bringen, aber der Regen prasselt immer
stärker und bald bin ich ziemlich durchnässt. Eine Stunde lang warte ich
vergebens auf das Aufhören – oder wenigsten Nachlassen – der Sintflut. Es hilft
alles nichts – es wird nicht trockener. Also mache ich mich wieder auf den Weg,
bin ja sowieso schon nass. Leider merke ich nach einer halben Stunde, dass nun
auch Wasser in einen, dann in den zweiten Schuh gekommen ist (So viel zum Thema
Goretex). Es ist wirklich ecklig, mit Wasser im Schuh zu laufen. Wie es jetzt
wohl den Niederländern geht? Etwa eine Stunde brauche ich noch, um Gerolstein
zu erreichen – total durchnässt, denn auch das Laminat der Regenjacke muss
versagt haben. Oder ist das Wasser am Halsverschluss eingedrungen?
Kurz bevor es so richtig mit dem Regenguss losgeht ...
Im Hotel angekommen, zeigt der Blick auf das Wetter App, das
auch die nächsten drei Tage Regen und Gewitter angekündigt werden. Wie soll das
werden, wenn ich erst so richtig von Ort zu Ort wandere?
Ich beschließe mir im Ort ein neues paar Schuhe zu kaufen –
das ist bei einer Wanderung zwar auch ein Risiko, aber mit so feuchten Schuhen
(der Föhn kann gar nicht alles wegtrocknen), werde ich bestimmt nicht froh.
Auch meine „wasserdichte“ und atmungsaktive Regenjacke will ich erneuern.
Vielleicht war sie einfach schon zu alt. In den Sportgeschäften in Gerolstein
werde ich sehr nett beraten. Die nächsten Tage werden zeigen, ob ich gut
gekauft habe. Ich fühle mich jedenfalls besser gewappnet.
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