Dienstag, 29. Juli 2014

Letzte Etappe auf dem Eifelsteig: Nach Trier (20km)


Dieser Tag bringt noch einmal besondere Naturerlebnisse! Glücklicherweise klappt es diesmal mit einem frühen Frühstück und so kann ich um 8 Uhr zur Wanderung nach Trier aufbrechen.  Das ist mir besonders wichtig, denn es ist Regen angekündigt und ich möchte wenigsten noch trocken durch das Butzerbachtal gelangen, wo z.B. eine 30 Meter Hängebrücke zu überqueren ist.



Noch einmal habe ich dabei gute Einblicke in die Gesteinsentstehung – die Vorstellung Steine zu anzufassen, die 250 Millionen Jahre alt sind, berührt mich besonders. Niemand ist sonst schon in dem Tal unterwegs und ich durchwandere diese Welt heute ganz alleine.


Weitere Highlights sind das Römische Kupferbergwerk und zwei Buntsandsteinhöhlen, die Klausenhöhle – im 18. Jahrhundert wohl von einem Eremiten bewohnt – und die Genovevahöhle, die schon in der Altsteinzeit von Menschen genutzt wurde. Hier treffe ich auf die ersten Menschen an diesem Tag – ein Ehepaar aus Baden – Württemberg und so entstehen Fotos, die die Größe der Höhle ermessen lassen, weil ein Mensch als Vergleichsmaßstab aufgenommen wurde.

Beim Erklimmen der Höhlenstufen ...

... und ganz klein am linken Rand als Lichtgestalt 

Anschließend geht es nach Biewer und am Ende hoch über einem Hangweg am Moselufer nach Trier. Die letzten 25 Minuten renne ich fast – denn schwarze Wolken ziehen auf. So kann ich die eindrucksvolle Aussicht auf Trier nur am Rande genießen. Immerhin gelingt es mir, mein Hotel gerade noch rechtzeitig zu erreichen – wenn auch mit brennenden Füßen!

Erster Blick auf Trier
Im Hotel finde ich auch meine Urkunde zur Bewältigung des Eifelsteiges zusammen mit einem kleinen Sticker vor. Mir hat die Wanderung großen Spaß gemacht, meiner Gesundheit hat sie sicher gut getan („Wandern ist die beste Medizin“), die Eifellandschaft ist abwechslungsreich und der Weg eigentlich immer gut zu finden. Besonders genossen habe ich auch den Austausch mit Mitwanderern, mit denen sich immer wieder Wege kreuzten. Fazit: Sehr empfehlenswert!
Mein Blog zum Eifelsteig endet hier. Wer Interesse an meinen Eindrücken von Trier hat, kann diese gerne in ein paar Tagen in meinem Blog „Stadtreportagen“ finden unter  stadterkundung.blogspot.de




Montag, 28. Juli 2014

Auf dem Eifelsteig von Bruch nach Kordel (28 km)


Heute steht die längste Etappe des Eifelsteiges an! In Bruch, dem Startpunkt, ist es gegen 9 Uhr noch vergleichsweise kühl – doch das soll sich an diesem Tag schnell ändern. Die Strecke über Gladbach und Grevenrath wird von offenen Äckern dominiert. In Grevenrath beeindruckt mich die alte Dorfschmiede, die  zwischen 1950 – 1975 in Funktion war. Wie anders muss damals  die Arbeit auf den Feldern gewesen sein, als noch häufig Pferde eingesetzt wurden.


Bei Zemmer geht der Weg wieder mehr durch den Wald. Als ich Rast auf einer Bank mache, fallen mir die vielen Raupen auf. Ein paar  tauchen wie aus dem Nichts auf, sitzen plötzlich auf meinem Rucksack und neben mir auf der Bank – als ich eine daran hindern will, auf mein Bein zu kriechen und dabei berühre, krümmt sie sich und bleibt bewegungslos liegen. Hoffentlich habe ich ihr nichts getan! Doch nein, das ist wohl nur ein Tot- Stell – Reflex. Nach einigen Minuten kriecht sie wieder schnell weiter.
Was für ein Schmetterling wird einmal aus dir?

Ein Teilstück des Eifelsteiges folgt dann dem „Römerweg“. Hierbei handelt es sich um eine 72km lange Strecke, die dem Verlauf einer früheren römischen Umfassungsmauer um eine 220km² kaiserliche Gutsanlage folgt. Das Gut gehörte Kaiser Valentinian I, der einige Jahre in Trier residierte. Klingt recht beeindruckend. Was man davon sieht, sind im Wesentlichen große Trittsteine.
Unscheinbar, aber bedeutsam - ein Römerstein

Inzwischen prallt die Sonne so auf die Mais- und Getreideäcker, dass es  mühselig ist, voranzukommen.  Hinweisschilder auf ein „Cafe am Eifelsteig“ lassen bei mir den Wunsch nach einem großen Eis aufkommen. Doch ich kann das Cafe nicht entdecken. Am Abend höre ich von anderen Wanderern, dass es heute – am Sonntag – Ruhetag hat.
Ich bin froh, als ich auf eine Schattenbank unter einem dichten Haselnussbaum stoße. Hier lege ich mich erst mal eine halbe Stunde hin!
Nach der Pause fällt mir das Aufstehen und Weitergehen doch schon etwas schwerer – die Länge des Weges fordert einen Tribut. Auf den letzten Kilometern wird der Weg wieder zum schmalen Steig, der oberhalb des Kyllradweges  entlangführt. Hier sind viele Bäume bei einem Sturm der letzten Tage umgefallen und behindern das Vorankommen. Doch die Nähe zu den Buntsandsteinfelsen entschädigt.


Die letzten 2km entscheide ich mich aber doch für den Radweg. 
In meinem Hotel am Park werde ich sehr freundlich empfangen.  Auf der Terrasse bekomme ich nun auch das ersehnte Eis und später  einen leckeren Bauernsalat. Der Abend ist perfekt, als das nette Ehepaar aus der Moselgegend, das ich vor zwei Tagen in Himmerod kennengelernt habe, auftaucht und wir unsere Wandererlebnisse miteinander teilen.

Endlich!



Sonntag, 27. Juli 2014

Auf dem Eifelsteig von Bruch nach Himmerod (21km)


Am Morgen werde ich mit einem anderen Wandererpaar nach Bruch gefahren. Dort gab es bei der Buchung kein Quartier. Darum fährt uns Klosterbruder Oliver nach Bruch, von wo wir nach Himmerod zurückwandern. Unterwegs erzählt er uns von der Geschichte des Klosters, das vom Hl. Bernhard von Clairvaux im 12. Jahrhundert gegründet wurde. Das Gebäude heute stammt aber aus der Barockzeit. Als das Kloster 1802 im Zuge der Säkularisierung verkauft wurde, deckte der erste neue Besitzer gleich das wertvolle Kupferdach ab. Spätere Besitzer gingen ebenfalls nicht gut mit dem Klostergut um, so wurden z.B. die ausgedehnten  Moselweinberge ebenfalls in andere Hände übereignet. Heute hat das Kloster keine eigenen Güter mehr, bekommt aber auch kein Geld aus der Kirchensteuer. So müssen die wenigen Klosterbrüder zusehen, wie sie ihr Kloster durchbringen.

Die Wanderetappe heute gilt als leichteste meiner Strecke von Hillesheim nach Trier. Sie umfasst etwa 21km, aber nur geringe Höhenunterschiede.
Der Tag beginnt reichlich nebelverhangen. Doch nach etwa einer Stunde bricht die Sonne durch und bleibt.  Der Weg verläuft zum Teil über Felder, zum Teil durch den Wald.



Besonders interessant sind die fast senkrecht stehenden Schieferwände im Kailbachtal. Sie belegen, dass diese Gegend Teil des „Rheinischen Schiefergebirges“ ist, welches sich nicht nur durch die Bundesländer NRW, Rheinland – Pfalz, Hessen und Saarland zieht, sondern auch als geologische Einheit bis Luxemburg, Frankreich und Belgien reicht.  Auch das Schiefergebirge ist Teil des variszischen Gebirges, dessen Gesteinsschichten ursprünglich  im Devon vor 350 – 400 Mio Jahren entstanden. Schiefer entstand dabei aus Tonschlamm, der sich abgelagert hat, und durch hohen Druck zu einem neuen Gestein – eben Schiefer  - gepresst wurde und später zum Gebirge aufgefaltet wurden (Vgl. meinen Post zum Naturkundemuseum in Gerolstein).

Der letzte Teil des Weges geht durch das Salmtal – hier begegnet man Buntsandsteinen aus dem Trias. Zur Erinnerung an die schöne Wanderung sammle ich  besonders schön marmorierte Steinchen auf.

Selbst die Steinchen auf dem Weg haben eine Geschichte ...

Am Ende des Wandertages  gelange ich wieder zurück ins Kloster Himmerod, das vom Salmbachtal herkommend wieder eine ganz andere Atmosphäre austrahlt.


Der Tag geht besinnlich zu Ende .... Ich freue mich schon darauf, ab Morgen (hoffentlich) wieder über WLAN zu verfügen (Posteintrag nachträglich veröffentlicht)

Auf dem Eifelsteig nach Himmerod (18km)


Die heutige Etappe soll mich in nur 18km zum Kloster Himmerod bringen. Die meiste Zeit führt der Weg auf echten Wanderpfaden durch das Liesertal, über felsige Stellen und durch Waldgebiete. An vielen Stellen überraschen schöne Aussichtspunkte, so dass ich immer wieder innehalten  muss.
Blick auf eine der Manderscheider Burgen am Beginn des Etappenweges

Auf dem Lieserpfad

Die Lieser höchstpersönliche


Heute begegne ich mehr Wanderern als sonst und so ergeben sich viele Seitengespräche. Ein Paar aus Belgien so um die 60 trainiert hier für einen Nepalaufenthalt und trägt darum das ganze Gepäck auf dem Rücken. Mehrfach kreuzen uns unsere Wege und wir fotografieren uns gegenseitig.
Dank an meine Fotografen!

... und auch solche Begegnungen gibt es ...

Ich glaube mir Zeit lassen zu können – es sind ja nur 18km und die Sonne scheint.  Doch  der Weg zieht sich – einige Aufstiege und vorsichtigere „Kletterpartien“ brauchen einfach Zeit.  So kommt es, dass der Regen mich unvermutet  einholt.  Als ich etwa 3 km vor dem Ziel über eine hoch gelegene Wiesenfläche wandere, ziehen schwarze Wolken auf, die sich schnell verdichten.  

Kurz vor dem Regen ....


Hier gibt es auch nirgendwo eine Schutzmöglichkeit. Ich ziehe Regenjacke und – hose an und hoffe, dass meine Ausrüstung diesmal besser dicht hält.  Weit und breit kaum höhere Gewächse – erst versuche ich an einem hohen Strauch in Deckung zu gehen, dann spurte ich zu einem kleinen Obstbaum. Hier warte ich etwa eine Dreiviertelstunde – doch der Regen plattert und plattert. Als es laut krachend zu donnern beginnt, renne ich Richtung Wald – bloß nicht mehr auf dieser Ackerfläche sein! Nun geht es 30 Minuten weiter durch den Wald – bis ich endlich zum Kloster komme. 



Kloster Himmerod liegt idyllisch und vermittelt – am nächsten Tag bei Sonne – einen einladenden Charakter. Dort leben  noch etwa 10 Brüder, Zisterzienser, die versuchen, Gelder für den Erhalt dieses riesigen Bauwerkes aufzubringen. Dabei spielen Seminare und Besinnungstage für Gäste eine besondere Rolle. Ich spreche z.B. mit drei Herren – alle so um die 65 -, die ganz begeistert von dem spirituellen Geist sind und jedes Jahr für eine Woche nach Himmerod kommen.
Als Wanderunterkunft finde ich es jedoch nicht so geeignet. Das Frühstück wird recht spät angeboten,  ein TV auf dem Zimmer und WLAN vermisse ich auch. Besonders macht mir zu schaffen, dass der Transfer zum Etappenausgangspunkt des nächsten Tages  so spät stattfindet, dass ich erst um 9:30 meine Wanderung beginnen kann.  In der Klostergaststätte klage ich anderen Wanderern „mein Leid“ – echte Wanderer verstehen das, die religiös Suchenden empfehlen mir, mich doch auf die Klosteratmosphäre einzulassen.  Mit diesen Ratschlägen gehe ich schlafen!

 (Der Blogeintrag musste aufgrund mangelnder Netzverbindung nachträglich online gesetzt werden).

Donnerstag, 24. Juli 2014

Auf dem Eifelsteig nach Manderscheid (27km)


Am Morgen komme ich mit meiner Pensionswirtin ins Gespräch. Sie erzählt mir, dass ihre Pension früher – 1959 -  eine Scheune war. Der Vater ihres Mannes war noch Landwirt und Waldarbeiter. In Daun – Neunkirchen gibt es kaum Leerstand. Die alten Häuser an der Hauptstraße wurden von Neuzugezogenen  - z. B. aus dem Raum Düsseldorf - renoviert,  saniert und sind inzwischen schon wieder an neue Besitzer verkauft.  Aber günstig müsse der Preis trotzdem immer sein – sonst wird es schwierig. Als ich später den Ort verlasse und die vielen alten Scheunen-  und Stalltüren als Überbleibsel bäuerlicher Vergangenheit sehe, muss ich an ihre Worte denken.
Ich habe zunächst Schwierigkeiten, den Einstieg in den Eifelsteig zu finden und kreise zweimal durch Neunkirchen. Das passt mir gar nicht, denn die Etappe ist diesmal lang – etwa 27km.
Zunächst muss ich nach Daun (4,9 km), um dann die Tour nach Manderscheid so richtig zu beginnen. Highlight des Tages sind die drei Dauner Maare – alle so vor 10500 Jahren als Folge einer vulkanischen Gasexplosion entstanden.
Das Weinfelder Maar

Das Schalkenmehrer Maar

Das letzte der Maare – das Schalkenmehrener Maar – überrascht mit einem netten kleinen Wanderort mit breitem Angebot an Gastronomie und Wohlfühlquartieren. Als ich begeistert ein altes Fachwerkhaus fotografiere, ist der Eigentümer gerade mit Blumengießen beschäftigt und erzählt: Dies ist das älteste Haus Schalkenmehrens – von etwa 1560. Er stammt nicht vor hier, kam aber früher schon zu Besuch und kaufte es, als es in heruntergekommenem Zustand war, z. B. hat der Vorbesitzer Aluminiumfensterrahmen eingebaut. 
Das älteste Haus Schalkenmehrens - liebevoll restauriert

Das Haus sollte eigentlich sogar abgerissen werden – damit die Busse besser wenden können. Die alten Besitzer kauften sich ein Haus im Neubauviertel. Inzwischen ist Schalkenmehren stolz auf dieses historische Gebäude und jeder fotografiert es.
Als ich Schalkenmehren verlasse, beginnen langsam dunkle Wollen aufzuziehen.  begleiten mich in den nächsten Stunden, sorgen für ausdrucksstarke Himmelsbilder und schließlich für den ersten, kleinen Regenguß.
Ein Gewitter kündigt sich an ...



 Dabei bleibt es nicht – immer wieder macht sich Donnergrollen bemerkbar – die letzten 9 km bis Manderscheid ziehen sich hin, zumal der Weg immer wieder neue Auf und Abs bietet.
Inzwischen geht der Weg wieder durch Wälder und durch das Tal der Lieser. Hier gibt es oftmals nur einen Pfad, der sich eng an die Felsen schmiegt.


Ein für die Strecke typischer Waldabschnitt


Im Liesertal



 Lange Zeit ist von einer Ansiedlung gar nichts bemerkbar – plötzlich sehe ich das erste Haus. Und tatsächlich, es ist meine Hotelunterkunft für diese Nacht! Glücklich beziehe ich mein Zimmer, dusche und lege die Beine noch! Am Abend kann ich im Hotel essen. Viel Auswahl gibt es nicht, aber mich macht jetzt jedes Essen zufrieden. Die Hotelbesitzerinnen sind zwei Niederländerinnen, die sich vor neun Jahren entschieden haben, dieses alte Gebäude zu übernehmen, der Aussicht auf  den nahen Burgberg wegen. Die Inneneinrichtung ist etwas ältlich, aber das wird überstrahlt durch den Charme der beiden Inhaberinnen. Es kommen anscheinend auch viele Gäste aus Manderscheid hier herauf zum Essen. Alternativen scheint es nicht viele zu geben. 
... Allmählich werde ich müde, der Wandertag war doch recht lang …



Auf dem Eifelsteig von Gerolstein nach Daun


Bei schönstem Wetter breche ich gegen 8:30 nach Daun auf. Wie anders stellen sich heute die Wanderwege  dar als vor zwei Tagen bei Regen auf dem Keltenpfad!

Sonnenbeschienene Wege ...

Aussicht von der Dietzenley

Ich komme wiederum am Heiligenstein und Dietzenley vorbei – doch diesmal ist die Landschaft sonnenbeschienen und die Aussicht gut.
Blick vom Aussichtsturm auf den Felsen der Dietzenley darunter

Rasch komme ich voran – heute begegne ich kaum anderen Wanderern und das Gespräch mit einem „Trail-Konservator“, der die Strecke auf einem vierrädrigen Rollerfahrzeug abfährt und Astwerk entfernt, bleibt diesmal das einzige unterwegs.
Nach etwa 15 km erreiche ich den Nerother Kopf – ein ehemaliger Vulkankegel, der vor 15000 Jahren entstanden ist und 650 Meter erreicht. Ja, hier sind schon einige Steigungen zu bewältigen, aber doch nicht so anstrengend, wie mir angekündigt wurde.  
Noch eine Pause vor dem Anstieg ... Mittagspause auf einer Bank

Der Nerother Kopf gehört zum selben Vulkantyp wie der Vesuv!

Eine interessante Beobachtung: Auf dem Weg zum Gipfel ist der Waldpfad mit unzähligen, in der Sonne wie Glas funkelnden Steinsplittern übersät. Glasierter Basalt?

Glasierter Basalt?


Weitere 5 km später gelange ich zu meiner Pension, die bereits in Daun – Neunkirchen liegt. Das ist leider nicht so günstig, denn Daun selbst ist noch 4,9 km entfernt. So werde ich morgen einen längeren Weg haben und kann außerdem heute Abend nicht mal schnell ins Zentrum. Der freundliche Empfang und das hübsche Zimmer entschädigen ein wenig. Nun genieße ich den Spätnachmittag auf meinem Balkon und lese Robert Gernhardts Erzählungen „Lug und Trug“, die ich mir  zuvor in Gerolstein gekauft habe.  Hat auch etwas für sich!

Noch ein Eindruck von der Tagesetappe ...

Dienstag, 22. Juli 2014

Gerolstein - Stadtentwicklung und Abschied


Es ist immer spannend, wer sonst noch so auf der Wanderschaft ist! Heute Morgen komme ich mit einem Wanderpaar – bestehend aus Mutter und etwa 20 jähriger Tochter – ins Gespräch. Die Beiden erwandern den ganzen Eifelsteig – von Aachen nach Trier in 15 Tagen. Eine Etappe sind sie bislang wegen Gewittervoraussage gefahren, heute wollen sie trotz noch nasser Schuhe nach Daun.
Mir bleibt heute noch ein Zwischentag bis ich ab Morgen täglich in 6 Etappen weiter wandere: über Daun nach Manderscheid, zum Kloster Himmerod, dann nach Bruch, nach Kordel, nach Trier.



Warum habe ich überhaupt ein paar Tage in Gerolstein eingelegt? Ich wollte mir die Gegend etwas intensiver erschließen, eben auch mit Museum, Rundwanderungen vor Ort und Versuch einen engeren Kontakt zu Ort und Menschen aufzubauen.
Aus Gesprächen mit der Taxiunternehmerin, meiner aufgeschlossenen Hotelwirtin und der Museumsangestellten weiß ich inzwischen:

Gerolstein wurde im Krieg zu 70% zerstört – daher das etwas diffuse Stadtbild. Grund für die Bombardierungen war die nahe Eisenbahnlinie, die als zentrale Versorgungsader getroffen werden sollte. In der Buchenlochhöhle haben um Weihnachten 1944 sogar Menschen Zuflucht vor Angriffen gefunden, während die Schutzsuchenden im Luftschutzkeller nicht überlebt haben.
Im engeren Stadtkern Gerolsteins wohnen etwa 5000 Menschen. In den letzten Jahren ist die Bevölkerungszahl um 10% gesunken, auch das ist eine Herausforderung für die Stadtentwicklung und mit eine Erklärung für Leerstände im Innenstadtbereich. Seit einiger Zeit hat ein Unternehmer mehrere Häuser und Geschäfte aufgekauft, saniert und vermietet weiter. Daher z. B. die schöner hergerichteten Immobilien in der oberen Marktstraße. In Randlage gibt es das übliche Discounterzentrum, in der Innenstadt noch ein kleines Lebensmittelgeschäft – inzwischen in zweiter Generation geführt. Hier versucht man mit Eifelprodukten und einem Lieferservice für ältere Mitbürger Flagge zu zeigen.

Mit Eifelprodukten gegen den Trend ...

Die Grenzöffnung zu Belgien und den Niederlanden hat der Region gut getan – die Taxiunternehmerin äußert sich zufrieden. Viele Niederländer haben Wohneigentum erworben, da die Steuern hier niedriger sind. Doch seit kurzem muss man in Deutschland etwa 15000 Euro Jahreseinkommen haben, um in den Genuss der Steuerzahlung bei uns zu kommen. Inzwischen sollen schon  einige Niederländer ihre Häuser wieder aufgegeben haben.
Ich finde es immer erstaunlich, in welch relativ kurzer Zeit ein Ort gesellschaftliche Veränderungen erfährt. So erzählt mir meine Gastgeberin, dass ihr Hotel früher ein Bauernhof war und sie es in ihrer Jugend noch erlebt hat, dass Kühe hinausgetrieben wurden. Ihre Mutter fing dann mit Vermietungen an und sorgte dafür, dass ein Discounter im früheren Kuhstall untergebracht wurde. Inzwischen ist dieser schon längst wieder an den Ortsrand gezogen. Hier gab es zu wenige Parkplätze – auch dieses ein Spiegel des Lebenswandels im Kleinen.  Eine Antoniusfigur aus dem 17. Jahrhundert an einer Hotelseite  erinnert noch an die Vergangenheit.


Mein Hotel in Gerolstein war einmal ein Bauernhof ...

Heute will ich nur noch meine Sachen sortieren, ein bisschen auf dem Kyllradweg spazieren und den Lavastrom von Sarresdorf aufsuchen.